12.03.2026

30. Diagnostik-Symposium: Labormedizinische Perlen für die Klinik


Wenn Ärztinnen und Ärzte über besonders eindrückliche Fälle sprechen, geht es selten nur um Zahlen und Laborwerte. Oft sind es Geschichten von Patientinnen und Patienten, bei denen sich klinische Beobachtung, Erfahrung und diagnostische Präzision zu einer entscheidenden Erkenntnis verbinden. Genau solche «diagnostischen Perlen» standen im Mittelpunkt des 30. Diagnostik-Symposiums.

v. l. n. r. Dr. med. Martin Risch, PD Dr. med. Marc Baumann, PD Dr. med. Alexia Cusini, Prof. Dr. med. Christian Berger, Dr. med. Clemens Jäger, PD Dr. David Semela, Dr. med. Simon Bütikofer und Prof. Dr. med. Lorenz Risch

Seit seiner Gründung im Jahr 1995 hat sich das Diagnostik-Symposium zu einer festen Grösse der medizinischen Fortbildung in der Region entwickelt. Rund 200 Ärztinnen, Ärzte und Fachpersonen aus Liechtenstein, der Ostschweiz und Vorarlberg wohnten der gestrigen Jubiläumsfortbildung im SAL in Schaan bei. Die Fachtagung stand unter dem Patronat der Liechtensteinischen Ärztekammer, dem Ärzteverein Werdenberg-Sarganserland sowie der Privaten Universität im Fürstentum Liechtenstein (UFL). Über die vergangenen drei Jahrzehnte haben rund 170 renommierte Referentinnen und Referenten aus verschiedensten medizinischen Fachgebieten das Programm geprägt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. med. Lorenz Risch, Dr. med. Martin Risch und Prof. Dr. med. Harald Renz.

Von wenigen Laborwerten zur Präzisionsdiagnostik

Als das Symposium Mitte der 1990er-Jahre erstmals durchgeführt wurde, war die Labormedizin in vielen Bereichen vergleichsweise überschaubar. Diagnosen stützten sich auf eine begrenzte Zahl klassischer Laborparameter. Seither hat sich das Bild grundlegend verändert. Molekulare Analysen, genetische Tests und hochspezialisierte biochemische Verfahren ermöglichen eine immer präzisere Diagnostik. Gleichzeitig wächst damit auch die Herausforderung für Ärztinnen und Ärzte: Die Vielzahl verfügbarer Tests muss sinnvoll interpretiert werden. Genau hier setzt das Diagnostik-Symposium seit drei Jahrzehnten an. Es versteht sich als Plattform, welche klinische Erfahrung und labormedizinisches Wissen zusammenführt.

«Labormedizinische Perlen für die Klinik»

Das diesjährige Motto griff Situationen auf, in denen diagnostische Entscheidungen besonders lehrreich sind. Manchmal gerade auch dann, wenn nicht jede mögliche Untersuchung durchgeführt wird, sondern gezielt wirklich notwendig Analysen ausgewählt werden.

Das Programm spannte einen breiten Bogen durch unterschiedliche Bereiche der Medizin. Den Auftakt des Hauptsymposiums bildete ein Beitrag aus der Dermatologie. Prof. Dr. med. Lukas Flatz, dermatoonkologischer Spezialist am Universitätsklinikum Tübingen, zeigte anhand ausgewählter Beispiele, wie moderne Diagnostik bei komplexen Hauterkrankungen und Hauttumoren eingesetzt wird. Anschliessend widmete sich Prof. Dr. med. Christian Berger, Neurologe am Spital Grabs, der Frage, wie neurologische Symptome diagnostisch eingeordnet werden können. Gerade in der Neurologie sind klinische Beobachtung, Laborwerte und bildgebende Verfahren oft eng miteinander verwoben. Die Gastroenterologie wurde durch Dr. med. Simon Bütikofer vom Luzerner Kantonsspital vertreten. Seine Beiträge zeigen, welche diagnostischen Strategien bei Erkrankungen des Verdauungstraktes besonders hilfreich sind.

Direkt danach erfolgte ein Einblick in die Hepatologie: PD Dr. David Semela, stellvertretender Chefarzt für Gastroenterologie und Hepatologie bei HOCH Health Ostschweiz, beleuchtete diagnostische Fragestellungen rund um Lebererkrankungen. Auch die Gynäkologie und Geburtshilfe war Teil des Programms. PD Dr. med. Marc Baumann, leitender Arzt an der Frauenklinik des Inselspitals Bern, präsentiert diagnostische Herausforderungen aus der klinischen Praxis.

Die Infektiologie stand im Beitrag von PD Dr. med. Alexia Cusini, Leiterin Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Graubünden, im Mittelpunkt. Gerade angesichts neuer Infektionskrankheiten und zunehmender Resistenzentwicklungen gewinnt die richtige Interpretation diagnostischer Tests zunehmend an Bedeutung. Ein weiterer Schwerpunkt betraf die klinische Pharmakologie und Pharmakogenetik. Prof. Dr. med. Stefan Russmann, Spezialist für Arzneimittelsicherheit, zeigte auf, wie genetische und pharmakologische Faktoren die Wirkung von Medikamenten beeinflussen können. Den Abschluss des wissenschaftlichen Programms bildete ein Beitrag aus der Endokrinologie und Stoffwechselmedizin von Prof. Dr. med. Christoph Säly der Universität Liechtenstein. Hier ging es um diagnostische Aspekte hormoneller und metabolischer Erkrankungen.

Traditionelles Satellitensymposium zum Weltnierentag

Eine Besonderheit des Diagnostik-Symposiums ist seit vielen Jahren das Satellitensymposium zum Weltnierentag. Der internationale World Kidney Day wurde 2006 ins Leben gerufen und fällt jedes Jahr auf denselben Termin wie das Diagnostik-Symposium. Diese zufällig erscheinende Überschneidung wurde früh bewusst aufgegriffen, indem seit 2008 bereits 15-mal ein eigenes Satellitensymposium zum Thema Nierengesundheit stattfand. Lediglich während der Pandemie-Jahre 2020 bis 2022 musste darauf verzichtet werden.

Im Mittelpunkt steht dabei eine medizinische Herausforderung, die weltweit häufig unterschätzt wird: Chronische Nierenerkrankungen gelten als unterdiagnostiziert und werden oft zu spät behandelt.

Das diesjährige Satellitensymposium trug den Titel: «Nierenersatzverfahren – was der Mediziner wissen sollte». Referenten waren die Nephrologen Dr. med. Clemens Jäger und Dr. med. Rüdiger Eisel vom Nierenzentrum Rheintal – Liechtenstein.

Jubiläum mit Blick nach vorne

Mit dem 30. Diagnostik-Symposium wird nicht nur eine erfolgreiche Fortbildungsreihe gefeiert. Die Veranstaltung zeigt auch auf, wie stark sich Medizin und Diagnostik in drei Jahrzehnten verändert haben. Was geblieben ist, ist der zentrale Gedanke des Symposiums: Medizinisches Wissen entsteht oft dort, wo klinische Erfahrung, wissenschaftliche Erkenntnis und interdisziplinärer Austausch zusammenkommen.

Der Jubiläumsanlass endete traditionell mit dem «Apéro Risch», bei dem die Teilnehmenden Gelegenheit hatten, den fachlichen Austausch fortzusetzen und auf 30 Jahre Diagnostik-Symposium anzustossen.